
Flexible Onlineshop-Architektur für massgeschneiderte Einkaufserlebnisse, mehr Übersichtlichkeit und Zukunftstauglichkeit – all das verspricht das Konzept von Headless Commerce. Aber stimmt das auch? Oder ist Headless E-Commerce einfach nur der neueste Hype? Ein Überblick über die wichtigsten Aspekte eines konsequenten E-Commerce-Prinzips.
Der Headless-Ansatz im Online-Commerce trennt scharf zwischen Daten und Funktionen (Backend) und der Benutzeroberfläche (Frontend). Es gibt also kein einheitliches, monolithisches System für den Onlineshop, sondern zwei Mechanismen, die miteinander kommunizieren. Beide Systeme sind prinzipiell unabhängig. Aber es gibt Schnittstellen für die Kommunikation. Ein Beispiel:
Alle drei Kanäle greifen auf denselben Datenbestand zu. Sie präsentieren dasselbe Angebot, aber in unterschiedlichen Designs und auf verschiedenen Endgeräten. Dieses Verfahren sorgt für Einheitlichkeit und vermeidet Konflikte. So bleiben Preise und Verfügbarkeiten immer konstant. Ein typischer Verkaufsablauf sieht so aus:
Die Kundin wird keinen Unterschied zu monolithisch funktionierenden Verkäufen erkennen. Und auch für den Unternehmer ist der sichtbare Unterschied minimal. Entscheidend ist der Hintergrund:
Im Endeffekt bedeutet Headless E-Commerce mehr Freiheiten, vor allem im Frontend. Was sich in der Präsentation für den Kunden ändert, ist unabhängig vom Datenbestand des Backends.
Headless Commerce – ist das nicht letztlich nur ein Hype? Schliesslich ist der Unterschied zu traditionellen Systemen gering. Monolithische und Headless-Ansätze sind für den User überhaupt nicht zu unterscheiden. Lohnt sich der Aufwand? Klar ist: Kleinere Onlineshops können nach wie vor einheitlich auf die vorgefertigten Themes von Shopify zurückgreifen, um den Aufwand in Grenzen zu halten. Aber mit einem wachsenden Markt werden die Nachteile grösser.
Denn die Vorteile sind vor allem langfristiger Natur: Die Erwartungen der Kunden an das Einkaufserlebnis (die User Experience) ändern sich ständig – und das in immer kürzeren zeitlichen Abständen. Wer auf Headless E-Commerce setzt, kann die Anpassungen immer genau dort vornehmen, wo sie wirken: am Frontend. Anders bei traditionellen Systemen:
Mit einem Headless-Ansatz wird beispielsweise die Integration von Sprachassistenten oder der Umstieg von App auf Website (oder umgekehrt) leichter. Denn es ist nur der relevante Teil von den Änderungen betroffen. Die Datenbasis im Backend bleibt unverändert.
Bei den vielen Vorteilen erstaunt es, dass Headless E-Commerce in der Praxis noch kein Standard ist. Nur etwa 20 bis 30 Prozent der E-Commerce-Plattformen nutzen den Headless-Ansatz. Das liegt vor allem an dem Aufwand, den kleine oder mittlere Unternehmen am Anfang betreiben müssen, um die Trennung zwischen Backend und Frontend zu realisieren.
Bei der Umstellung ist es besonders wichtig, bestehende Daten des Backends (Produkte, Kunden, Bestellungen) verlustfrei zu synchronisieren. Auch müssen Zahlungsanbieter und Versanddienstleister in das neue System eingebunden werden. Gerade während der Umstellungszeit kommt es auf Stabilität an. Ein Programm, das zwischen den verschiedenen Anwendungen vermittelt (sogenannte Middleware) schliesst dabei die grössten Risiken aus.
Angesichts der Herausforderungen ist es verständlich, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen mit monolithischen Systemen nach wie vor gut auskommen. Und das wird wahrscheinlich auch noch in der absehbaren Zukunft gelingen. Doch mit wachsenden Umsätzen wird auch der Druck steigen, auf Headless E-Commerce umzustellen.
Voice Commerce, Internet of Things, Sprachassistenten und Wearables: Allein diese Begriffe machen deutlich, dass Headless Commerce auf lange Sicht Standard wird. Denn durch die Trennung von Frontend und Backend lassen sich Inhalte und Funktionen relativ leicht auf neue, smarte Geräte übertragen.
Headless E-Commerce ist ein sehr vernünftiger Ansatz für die Gestaltung des eigenen Online-Unternehmens. Die konsequente Trennung zwischen den Produkt-, Bestell- und Kundeninformationen im Backend und der Präsentation im Frontend vermeidet viele Fallstricke. So wie sich in der Internetprogrammierung die strikte Unterscheidung zwischen Content und Design durchgesetzt hat, wird der Headless-Ansatz in Zukunft ebenfalls Standard werden. Wer jetzt schon umsteigt, hat langfristig die Nase vorn.
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